Internationaler Workshop – Die vergessene Generation –

Es war für mich wieder etwas Besonderes, am 28. April 2017 zum 2. mal, einen Workshop zum Thema: „Intergenerationales Trauma“ abzuhalten.

Teilnehmer waren 10 amerikanische Psychologie Studenten und ihre Professorinnen aus der Chicago Universität/ The Chicago School of Professional Psychology. Ich bin sehr dankbar für das Vertrauen und freue mich über diese amerikanische Freundschaft.

Auch 72. Jahre nach dem 2. Weltkrieg sind die Wirkungen der verschiedenen Traumata des Krieges in den weiteren Generationen zu spüren.

Einer der Gründe ist sicherlich die umweltbedingte Unfähigkeit der Kriegskinder ( 1930-1945 ) über ihre Kriegserfahrung zu sprechen. „Über den Krieg spricht man nicht “ und erst recht nicht über die Naziverbrechen. Für diese Kinder war es normal, da sie keine Vergleiche hatten. Die Gefühle wurden betäubt, abgespalten und es fehlten angemessene Reaktionen. Die traumatischen Kriegserfahrungen, konnten nicht verarbeitet werden und fanden in Ihrer Abspaltung keine Ruhe. Depressionen, Panikattacken, PTBS sind häufig Symptome der älteren Generation.

Später kamen dann die Kriegsenkel (1960 und 1975) hinzu. Wenn man nun davon ausgeht, das Gefühle über Bindung und Beziehung transportiert werden, kann man davon ausgehen, dass diese Generation unbewusst vieles für die ältere Generation trägt. Diese Generation kämpft nun auch mit den Folgen der abgespaltenen Gefühle der Eltern und Großeltern und kann mit unerklärlichen Ängsten, Zwangsvorstellungen, lavierende Depressionen und Unruhezustände konfrontiert sein. Es gibt eine Art Blockade der Lebensenergie, obwohl wir im Frieden leben! Das sind auch Klienten/innen, die ich aus meiner Praxis kenne.

Hier ist es mir ein Anliegen, mit Achtsamkeit und Herz für jeden Einzelnen, in dem durch Trauma geprägtes Familiensystem, zu arbeiten. Durch mehrgenerationales Familienaufstellen kann in den Familien wieder Bindung hergestellt werden, Opfer wieder ein Stück weit rehabilitiert werden. Dort wo angehaltene Gefühle und Trauer keine Worte fanden, wird das unaussprechbare ausgesprochen und wo Verlust, Hunger und Schuld die Familien geprägt hat, dort ist es heilsam hinzuschauen und den Dingen und Menschen wieder ihren angemessenen Platz im System geben.

Erst dann sind wir wirklich frei für unser eigenes Leben. Was hier gelöst wird, das müssen wir selbst und unseren Kinder nicht mehr weiter tragen.

 

Bildquelle: Pixarbay